07.08.12

Tactical Urban Trecking Sneaker

When the going gets tough
Trägt der Gustl Tarnfleck


Auffällig, wie sich mit zusehender Schieflage der Welt das Militärische über die Mode immer weiter im Alltag verbreitet. Nicht nur unsägliche Tarnfleckjogginganzugträger beleidigen das Auge... man versuche beispielsweise online eine vernünftige Taschenlampe zu finden. Selbst für einen taktischen Kugelschreiber hat es schon gereicht, erfährt man bald.

Oben abgebildete Häuserkampf-Freizeitschuhe sind also lediglich noch eine Frage der Zeit. Remember where you read it first...

06.08.12

Ich. Ich. Ich. Ich. Ich. Ich. Ich!

Notizen vom unbekannten Toten
What happens in Vegas stays in Vegas


Auf der kleinen, vom Wald umsäumten Sandinsel im Bach, der vor unserem Haus fließt, fanden Arbeiter vor nicht allzu langer Zeit die Überreste eine Mannes. Er trug einen maßgeschneiderten Anzug, rahmengenähte Budapester und eine abgewetzte Ledermappe die ihn, -schwer zu schätzen, aber sicher jenseits der Vierzig- wohl schon zu Schulzeiten begleitet hatte. Darin fanden sich vollgeschriebene Schulhefte und auch ausgedruckte Seiten; Notizen, Texte, Zahlen, Gekritzel, die meisten zur Unkenntlichkeit vergammelt. Wie übrigens auch der sie vermutlich einst verfassende, unbekannte Herr. Das Leibliche ist flüchtig, Schatten sind wir, et cetera, ad nauseam.

Es sollen hier nun gelegentlich einige der lesbaren Relikte das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Beim folgenden Text handelt es sich um ein Manuskript eines Buchprojekts mit dem Titel "Frauenhasser", das der Unbekannte diversen Notizen zufolge mit einer Co-Autorin (!) zu veröffentlichen plante.

Frauenhasser I, 7. Oktober 2010

"Lass uns alles teilen: dein Geld und meine Probleme!"

So könnte das Credo lauten, das eine moderne Frau an den modernen Mann stellt. Wenn man nur die Befindlichkeit des weiblichen Organismus' und die damit verbundene massive Werbepower betrachtet! Überall Spots für Slipeinlagen und Tampons, Präparate gegen Verstopfung. Von der Beauty- und Wellness-Abteilung zu schweigen. Haar wird voluminöser, fester, dicker, schöner. Haut wird jünger, straffer, glatter, reiner. Alle Frauen wollen jung und knackig aussehen, wie es scheint. Und dann natürlich die Kosmetik und die Mode. Zillionen von Prospektseiten mit aktuellen Modellen in Sachen Eyeliner und Slip, Lidschatten und Übergangsmäntelchen.

Und wenn die gestylte, gewellnesste, knackige Frau dann vor uns steht und wir ihr an die Wäsche wollen, heißt es: "Halt, Chauvinist! Ich bin doch nicht nur ein Körper, du Schwein, du sexistisches!" Soll wahrscheinlich heißen, dass da auch ein Kopf, ergo: ein Geist anzutreffen ist. Gut. Dann will ich mich unterhalten mit diesem Menschen, der über einen Geist verfügt. Über Musik vielleicht, Bach oder Eels, egal. Über Literatur, von Goethe bis Manga ist alles recht. Oder Kunst? Gerne! Monet? Manet? Anselm Kiefer? Wie es dir beliebt, Schatz!

Aber, was kommt? "Gestern hab ich die Soundso getroffen, weia, ist die alt geworden!"

Was soll der Dreck? Frauen haben einmal im Monat ihre Periode. Punkt. Auch Männer kennen den Biorhythmus. Soll ich über den täglichen Zustand meines Gliedes berichten ("Heut früh hatte ich seit Monaten mal keine Erektion, ich mach mir Sorgen, Schatz!")? Oder wie mein Stuhlgang auf die Zufuhr von Steak und Bier im Gegensatz zu Tofu und Grüntee reagiert? Nein! Männer haben einen Körper, der funktioniert, wie er funktioniert und damit hat sich's.

Also echt: einmal eine treffen, die einen eigenen Musikgeschmack hat und deren Sammlung nicht aus den Geschenken und Ratschlägen ihrer ehemaligen Stecher besteht. Einmal eine treffen, wenn es um Politik geht, die sich traut zu sagen: "Keine Ahnung", anstatt entweder über ihre schwierige persönliche Situation oder das Leid der Frau in der dritten Welt zu schwadronieren. Ich habe auch keine Ahnung, aber eine Meinung und genau die sage ich: "Meiner Meinung nach sind alle Politiker Lügner!"

"Aber der Schröder sah gut aus!", kommt dann. Ende der Debatte.

Wenn ein Mann sehr beschäftigt ist, mit seiner Arbeit, vielleicht einem Bild, weil er malt, oder seiner Band, weil er Musiker ist, oder seiner Fußballmannschaft, weil er spielt oder eine trainiert, dann kommt bald der Punkt, an dem die Frau sagt: "Wir haben so wenig Zeit füreinander". Das sagt sie natürlich nicht einfach so, direkt am Abendessen, zum Beispiel. Das sagt sie nach einem langen Problemgespräch, bei dem er sich wand und verrenkte, um ihr Genüge zu tun. Tränen sind auch gern im Spiel. Wenn sie das Gefühl hat, dass sich das Männchen angemessen abgestrampelt hat, dann kommt dieser Satz. Der ja die Diskussion an sich erst eröffnet.

"Die Weibchen brauchen viel Zuwendung", könnte es in der Tierhandlung heißen. Aber wenn die Weibchen mittlerweile Astronautinnen oder Ärztinnen oder Profikillerinnen sind? Egal. Im Hirn des Weibchens läuft stets derselbe kurze Satz mit dem unerbittlichen Rhythmus eine Metronoms: "Ich. Ich. Ich. Ich. Ich. Ich. Ich!"

Wenn die Frau sehr beschäftigt ist mit ihrer Arbeit, vielleicht einem Bild, weil sie malt, oder ihrer Band, weil sie Musikerin ist, oder ihrer Fußballmannschaft, weil sie spielt oder eine trainiert, dann kommt bald der Punkt, an dem sie sagt: "Du kümmerst dich zu wenig um meine Probleme." Auch das kommt nie direkt, immer über Umwege: das Abendessen, Tränen, Schluchzen, bla. "Ich. Ich. Ich!"


Und so weiter, und so fort.

01.08.12

Auuuugen rechts!

The KKK Took My Baby Away
The Ramones


In der TAZ gab es  gestern einen Artikel über Polizeibeamte beim Ku-Klux-Klan. Im Musterländle. Bisher hatte ich ja schon Mappus-Tourette (zwanghaft das Wort "Drecksau!" ausstoßen, sobald sein Name fällt). Das weitet sich jetzt gerade aus...

Dass zwei Beamte der Ordnungsmacht Mitglieder werden in einer Organisation, die traditionell Menschen lyncht und verbrennt... da dachten die wackeren Schwaben sicher, dass das was mit der guten, alten katholischen Kirche zu tun hat.

Nachtrag: Die grobe Zeichnung oben entstand vor circa 30 Jahren in Bezug auf die Rocker unserer Kleinstadt und ihr ewiges "Sweet Home Alabama".

Beginnt ein neuer Monat...

We've always been at war with Eastasia
George Orwell/1984



31.07.12

Wie ein Monat endet...

We've always been at war with Eurasia
George Orwell/1984


30.07.12

9mm

Happiness Is a Warm Gun
John Lennon, 1968 (der das natürlich völlig anders gemeint hat)


Es begab sich aber eines Morgens, dass der Autor dieser Zeilen Rascheln von Ballonseide wahrnahm. Im Schlafzimmer. Morgens zwanzig nach sechs. Das schlafmatte Hirn alias Superbrain beschloss, dass es der verirrte Zögling auf dem Weg zur Toilette sein musste.

Dämmer.

Der trug aber doch abends noch einen Flanellschlafanzug?

Ein Freund des Hauses vielleicht, wir nennen ihn F., der sich nach ausgiebiger Feier irgendeines Anlasses anderswo hierher zur Ruhe begeben wollte.

Dämmer. Dann der böse Gedanke: "Wie kommt der F. denn ohne Schlüssel in die Wohnung?"

Zeitgleich das Rascheln von Bettzeug und die Stimme der Gefährtin, die die Situation treffend beurteilte: "Hm?"

"Wo ist dein Mann?", kam die humorlose Frage des Besuchers mit osteuropäischem Einschlag. Das schlafmatte Hirn legte den Alarmschalter um: nicht Pipi, nicht Freund des Hauses, nicht spielerisch imitierter Akzent! Ein Fremder! Im Schlafzimmer! Superbrain detektierte rasend schnell die Fakten. Eindringling, nackte Frau, selber nackig, keine Waffen. Bleibt nur: sprechen.

"Wer zum Teufel sind Sie?", fragte ich, mittlerweile aufgerichtet.

Nach kurzer Betrachtung wurde ich nicht als der Gesuchte wahrgenommen und geleitete darauf den athletischen Jüngling aus dem Raum. Im Wohnzimmer, als Überraschung gedacht, stand ein zweiter Herr. Auch er konnte in mir wohl nicht die gesuchte Person entdecken.

"Und wer zum Teufel sind Sie?", war meine Frage. Ich stand kurz davor, den Männern Kaffee anzubieten.

Wer oben wohne, wollte man wissen. Niemand, war die wahre Antwort. Sie sahen sich an und verschwanden blitzschnell und ich eilte zurück zur Gefährtin, um mich zu kümmern, statt der Berserker Nummernschild zu notieren.

Die benachrichtigte Polizei befand es nicht für nötig, vorbei zu schauen. Eine Drogen-WG habe früher im oberen Stockwerk ihr Unwesen getrieben, man kenne das Haus. Vermutlich hielt man das für ein Art höherer Gerechtigkeit unter Gesocks. Danke, danke, danke!

Ich überlege übrigens zwei Tage, bevor ich bei Schmerzen eine Aspirin schlucke.

Es gab dafür ein Telefonat, Tage später. Ich erklärte dem Beamten, dass ich mir für ein eventuelles nächstes Mal eine Pistole unterm Kopfkissen wünsche. Hätte ich geschossen, sagte ich, innert Minuten hätten Streifenwagen die Einfahrt blockiert und den vermeintlichen Mörder abgeführt.

Er meinte, er könne verstehen was ich zu sagen versuche, er hätte sicher geschossen.

Bayern ist seltsam. Nicht merkwürdig. Seltsam.

PS: Der Kreidekreis ist mittlerweile gezogen, the line in the sand, ab jetzt gilt hier: stand your ground.

ORANDUM EST

UT SIT MENS SANA IN CORPORE SANO
Juvenal


Als der Autor dieser Zeilen noch im garstigen Städtchen an der Donau residierte, begab es sich eines Abends, dass er Zeuge wurde eines unappetitlichen Vorfalls. Im Stadtpark justament vor dem Bürofenster des damals Freischaffenden gelegen, der zur Abendstunde seine Bücher wälzte, entsponn sich eine Konfliktsituation.

Die Teilnehmer waren fünf junge Männer nicht direkt einheimischer Herkunft. Man konnte sie ab und an unter Anleitung älterer Männer in Unterhemd und Trainingshose in ebendiesem Park tagsüber diversen Übungen im Boxsport nachgehen sehen.

Die Konfliktsituation kulminierte, als einer der Streithähne zu Boden fiel. Hier endet normalerweise das Geschehen, die Kräfteverhältnisse sind geklärt. In diesem Fall aber kam von hinten der Libero heran geflogen und trat dem Liegenden aus vollem Lauf an den Schädel.

Barbarische Gewalt beobachten zu müssen bewirkt in mir immer dasselbe: ein roter Schleier senkt sich über den Blick und ich will mit Zähnen und Klauen hirnlos hauend den Hilflosen helfen.  Dadurch wurde schon Schaden angerichtet und der Mensch ist lernfähig. Ein zweiter Blick (an dieser Stelle sei erwähnt: Vipassana) half: vier Stehende, ein Liegender. Was die jetzt dringend bräuchten, wäre ein aufgebrachter Augenzeuge -einen Kopf kleiner, zwanzig Jahre älter- der sich aufgeregt in die Bresche wirft.

"Opfer!", raunzt der abgebrühte Gangstarapper an der Stelle.

Also kam es zum bis dato undenkbaren: ich griff zum Telefon und rief die Polizei. Ich! Die Polizei! Die entspannte Konversation ergab, dass dieser Tumult als einer von vielen anzusehen und die Konfliktsituation bekannt sei, dass ein Wagen kommen würde, man sich der Sache verantwortlich annehmen wolle.

Knapp unter zwanzig Minuten später rollte dann ein VW mit entsprechender Beschriftung gemächlich über das Gelände. Die Streithähne hatten sich längst verabschiedet. Der Getretene (falls die Delinquenten nicht den leblosen Körper hinfort geschleppt hatten) scheint auf jeden Fall überlebt zu haben und hat sich mit seinem Schleudertrauma nach Hause verpisst (zum Trainieren).

Wir lernen: andere Länder, andere Tritte, die Polizei kennt ihre Kundschaft und Ruhe tut aus ihrer Sicht Not.

Stop! Get out!

We are the strong arm of the law!
Saxon, 1980

  
Ich mag mürrische Polizisten. Das Mürrische ist im besten Fall kein Klischee, es ist ein gehobenes Ausstattungsmerkmal. Wie wenn das Leder der alten Chesterfieldcouch beim Hinsetzen leicht knarzt. Gediegen, verlässlich, beruhigend.

Wenn dagegen einer dieser Bullen vom Schlage "Haha!" mit erhobenem Zeigefinger, aufgerissenen Augen und freudig verzerrtem Mund auf einen los springt... puh. Als wollte er sagen: "Haha, ich bin also doch nicht zu blöd für den Job!" oder "Haha, wieder einen erwischt und jetzt werd ich Alleswisser dir Pisser mal kurz die Welt erklären!"

Einmal, als junger Mann, fuhr ich im Winter durch Tuttlingen. Mein alter, gelber B-Kadett hatte einen defekten Auspuff. Normal in dem Alter, Fahrer und Wagen betreffend. Es war Winter und der Verkehr bewegte sich zäh durch Schlamm und Schnee. Als an einer Kreuzung kurz vor dem Elternhaus die Ampel endlich auf grün sprang, sah ich ihn: der Polizist hatte das satte Röhren meines Boliden erhascht, seine Augen siebten die Luft und entdeckten den Verursacher in Sekundenschnelle. Ich fuhr an, nahm aus dem Augenwinkel wahr, dass in der Straße rechts von mir ein Wagen hielt, dessen Kühler kochte: Dampfwolken traten unter der Motorhaube hervor, Flüssigkeit plätscherte am Kühlergrill herunter.

Der Beamte riss "Haha!" den Arm nach oben, auf mich zu zeigen war nicht nötig, wir hatten mittlerweile Augenkontakt. Ich fuhr rechts ran, behinderte den kompletten Verkehr dabei, aber Haha wollte nur den Übeltäter stellen. Ich stieg aus, ging zu ihm und sagte: "Auspuff kaputt. Muss ich morgen richten lassen."

Ich hatte seinen "Haha!"-Moment ruiniert, denn er hielt mitten in der Bewegung, die eine langatmige Belehrung beinhaltet hätte, inne. Nach zwei Sekunden sagte er: "Und getrunken haben Sie auch!" Sein Gesicht, als hätte er eben einen teuflisch schmutzigen Witz kapiert, die Nanosekunde vor dem explosiven Lachen.

"Nein, da drüben ist einem der Kühler geplatzt", antwortete ich. "Wir riechen Frostschutzmittel. War wohl nicht genug..."

Er verwarnte mich (gab es Strafzettel in Höhe von DM 5.-?), ich musste den Wagen innerhalb einer Woche bei der Wache vorführen, dann stapfte er um die Ecke und verpasste dem geplatzten Kühler eine saftige Lektion.

Als ich ihn das nächste Mal sah, kam ich übernächtigt in Unterhosen aus dem Zimmer seiner Tochter geschlurft. Das ist natürlich gelogen, wäre aber ein gutes Ende gewesen.

Dann hol doch die Polizei!

Thou Shalt Love Thy Neighbor as Thyself
So sieht's aus

 

Es ging eigentlich darum, hier drei Erlebnisse zu erwähnen, die grob über die Jahrzehnte verteilt durch ihr gemeinsames Thema "Polizei" verknüpft sind. Da fiel mir eine weitere kleine Geschichte ein.

Als junger Kerl stand ich mit der Mutter im Hochsommer in der Küche und platzte wohl vor Übermut. Sie lachte hier und da, gemahnte mich aber zur Mäßigung. Ich sprang, um der Situation die Krone aufzusetzen ans Fenster und schrie in der Garten: "Dann hol doch die Polizei!" Beide lachten wir, bis die Tränen kamen. Sie mit dem mahnenden Blick, dass das nun wirklich zu weit gegangen war, ich mir dem zufriedenen Bewusstsein, dass dieser Scherz nicht weiter getrieben werden konnte.

Es klingelte.

Vor der Haustür stand unser Nachbar, sein Name sei hier mit Kwattle angegeben. Ein kleines, vom Leben gebogenes altes Männlein, von uns Kindern in der Nachbarschaft früher gefürchtet, später in jugendlichem Hochmut belächelt. Er erkundigte sich, ob alles in Ordnung sei. Meine Mutter bejahte, er insistierte, sie versicherte und er zog sich widerstrebend zurück.

Hut ab vor diesem Mann, der sich als Helfer in der Not anbot. Die Nachbarsfamilie sieht mich heute noch schräg an.

Flatliners

Punkt, Punkt, Koma, Strich______________________
(Words & Music: Spike Milano, 2012)


Das ist der kürzeste Songtext, den ich je geschrieben habe.

23.07.12

Die große Hündin

You ain't nothing but a hound dog
Big Mama Thornton, Leiber/Stoller, 1952


Der gestrige Post muss korrigiert werden: der Sommer findet jetzt auch am Arsch der Welt statt. Ganztags Sonne, kaum kalte Böen, abends im Biergarten verschwitzt-zufriedene Radler, die nach 42 Kilometern in persönlicher Bestzeit ein wohlverdientes isotonisches Getränk zu sich nehmen. Alles sind's zufrieden.

Alle?

Unsere heißgeliebte Sonne befindet sich in etwa anderthalb Milliarden Kilometern Entfernung und hat einen Durchmesser von knapp eineinhalb Millionen Kilometern. Sie verbrennt sich für uns noch ein paar Milliarden Jahre, der Körper produziert Vitamin D, das Getreide wächst, junge Paare lieben sich im Heu... der Bilder sind viele.

Weit, weit draußen im uns bekannten Universum aber dreht sich ein Gigant, der unsere Sonne zum Stecknadelkopf macht: VY Canis Majoris. Die größte derzeit bekannte Sonne hat einen Durchmesser von geschätzt zweikommafünfplus Milliarden Kilometern. Würde man unsere Sonne durch sie ersetzen, reichte die Oberfläche bis zum Saturn. Keine Erde, kein Weizen, kein Sex. Zweieinhalb Milliarden Kilometer Durchmesser! Mir stehen die Haare zu Berge angesichts der Winzigkeit irdischen Daseins.

Und da regt sich die alte Schabracke Frau Nachbarin über eine leere Mineralwasserflasche auf, die für dreißig Minuten auf der gemeinsamen Haustreppe zwischengelagert wurde.

Hey, Lex Luthor: Todesstrahl!

Kunst braucht Schmerz

Spike Milano rettet die Welt fährt rum
Jeff Koons in Frankfurt, Schirn/Liebighaus


Schirn
Hach, der Koons. Mit all den Layern in seinen Arbeiten und deren Dialogen mit der Kunstgeschichte…. das Werk hat ein Gewicht, dass dem Betrachter der Kopf rauscht. Interessant, dass der Schmuddelkram mit Ilona Staller 2012 in abgetrennten Abteilungen präsentiert wird. 1990 war sein offen zugänglicher Beitrag mit demselben Thema bei der Biennale in Venedig grad ein Skandälchen wert.

Anschließend vier Folgen der mir bis dato nahezu unbekannten TV-Serie "Spartacus". Dauernd halbnackte oder nackte Männer und Frauen. Dazu Gewalt in Zeitlupe, bis der Bildschirm klebt. Tits and ass and cock and blood and noone fucking cares.

Aber Ilona's Asshole kommt hinter den "Vorsicht!"-Vorhang, nur weil Koons Piepmatz drunter drin steckt. Leute, so entstehen manchmal Kinder! Die werden dann Gladiatoren oder Bäcker oder Sekretärin oder Chirurgin oder -wenn es blöd läuft- Investmentbanker.

Auf imdb.com gibt es übrigens heiße Diskussionen zum Thema "beschnittener Penis" in der Serie Spartacus. Das sei historisch nicht korrekt. Antwort Shitstorm galore.

Wir leben in ruhigen Zeiten, wenn das dann bitte alles war zum Mokieren.

Liebighaus
Jackson und Bubbles bleiben der ultimative Horror wie im SFMOMA. Popeye und Hulk? Der Delphin und der Hummer? Beim Staubsauger auf Neonröhren spätestens hatte er mich verloren, der gute Jeff. Intellektuell nachvollziehbar, aber ganz subjektiv einfach dermaßen hässlich, dass sich der Körper weigert, zu verweilen. Nippes in klein macht schlechte Laune. Nippes in groß macht Blutrausch.

Kunst braucht Schmerz. Aber in rhabarberbarbarabarbarischer Ewartungshaltung möchte ich auch einen postitiven Kick. Den gab es auf der hemmungslosen Heimfahrt mit offenem Dach im Sonnenschein und zuvor beim Kaffee.

Der Sommer fand übrigens dieses Jahr in Frankfurt statt, abends von circa 19 bis 20 Uhr am Eisernen Steg.

20.07.12

Batman

Bruce Wayne
Bob Kane/Bill Finger, DC Comics


Die Kirchenglocke des Nachbardorfs schreckte mich gegen halb sieben auf. Mit dem Traumgedanken, wie denn diese eine Freundin meiner Mutter hieß, als ich klein war. Sie hatte zwei Töchter und es war immer stinklangweilig da zu spielen.

Dann zwölf Stunden caritative Tätigkeit auf einem Friedhof und abends von dem beschissenen Amoklauf gelesen. Eine fremde und seltsame Welt.

Leonie hieß die Freundin der Mutter, ihre eine Tochter Beate. Der Name der anderen fällt mir nicht mehr ein. Aber eine weitere Freundin hieß Erika und dann gab es noch noch eine Gisela. Die zogen wohl weg und zu Tante Erika ging es immer dieses dunkle Treppenhaus hoch.

In Denver geht es ein dunkles Treppenhaus runter.

19.07.12

Just a lad from Leicester

whose parents had the foresight to pack him off to piano lessons
Jon Lord, 9. Juni 1941 - 12. Juli 2012


Für die Nachgeborenen mag das weniger tragisch sein. Für mich wird es immer stiller auf der Welt. Mit jedem Toten, dessen Musik, Bücher, Filme einen seit Kindheitstagen begleiten.

Zumindest habe ich ihn einmal aus der Nähe gesehen, als CHROMING ROSE für DEEP PURPLE eröffneten. Ein eindrucksvoller Gentleman zwischen all den T-Shirt-und-Jeans-Rock'n'Rollern.

Ace, unser amerikanischer Roadie, plauderte mit seinem Landsmann Steve Morse und meinte, dass ich CRs letztes Cover entworfen hätte. Sie könnten auch einen guten Graphiker brauchen, meinte Morse darauf lachend, dem wohl das Cover der damals veröffentlichten 'Purpendicular' nicht gefiel.

Lord stand lächelnd im Hintergrund, zwinkerte mir kurz zu und meinte, ich sei der allerbeste schlechte Keyboarder der Welt.

Den zweiten Teil des Satzes habe ich erfunden, aber es ist ein guter Schluß.

15.07.12

Sonnensturm

Fuck you
DOA


Den Sonnensturm überlebt bei gefühlten 12 Grad und immer wieder Regen. McCartney und Sprinsteen wurde der Strom abgedreht. Plumpaquatsch Altmeier fängt an, den Rüchzug vom Rückzug zu verkünden. Normaler Sonntag, bissi kalt für Juli.

13.07.12

Geheimes Verlangen

I want you to lick that bold drop off my dick
Spike Milano & The 51st Shade of Grey, unreleased demo recording


Also muss man da so ein Gewese machen um ein mieses Geschreibsel? Dass einer seine Alte herdackelt, wie man im Ort sagt, ist sogar hier längst aus der Mode. Aber wenn man es "Spanking" heißt, wird es kinky? Allein die Vorstellung -auf dem Parkplatz eines x-beliebigen Supermarkts- dass all diese formlosen, stillosen, in Ed-Hardy-Schund gekleideten Weibsbilder nach Lektüre eines Buches (ihr drittes nach den Autobiographien von Bohlen und Bushido) im heimischen Pressspanschlafzimmer geknechtet werden wollen... da ist die geistige Beschäftigung mit dem Beschneidungsverbot ja wie frisches Obst neben altem Wustsalat, um im Bezugsrahmen zu bleiben.

Hier der Link zu einem wirklichen Bezugsrahmen: scale of the universe. Da ist die Sache mit der Vorhaut auch gleich wieder relativiert. Verstümmelt? Das ist ein platzsparender, formschöner Designerpenis.

09.07.12

Ernest has left the building

Ermes Effron Borgnino
24.1.1917 - 8.7.2012

Also zumindest einen dieser Filme hat man gesehen...
Verdammt in alle Ewigkeit
Vera Cruz
Marty
Die Wikinger
Barabbas
Der Flug des Phoenix
… denn keiner ist ohne Schuld
Das dreckige Dutzend
Eisstation Zebra
The Wild Bunch
Die Höllenfahrt der Poseidon
Convoy
Die Klapperschlange
Gattaca
R.E.D.

Wenn ich mal alt bin (ergo: bald), will ich auch so cool sein wie Ermes Ernest Borgnine.

08.07.12

Enzyklopädophilie

Die beste Erfindung der Kirche war der Teufel.
Die beste Erfindung des Teufels war die Religion.

Einst im Mai: The Fog
Auf dieser wieder mal beschissenen Fotografie sieht man wabernden Nebel im Tal, der mich zu einer Dracula-Remineszenz hinriss vor Wochen. Und der Erwähnung der Hammer-Productions, die die Filme mit Herrn Lee damals produzierten. Ich weiß, dass Bram Stoker die Geschichte gschrieben hat, dass Vlad der Pfähler ein Vorbild der Geschichte war, die karpatische Heimat des Blurünstigen in Rumänien liegt und sogar, dass es dort in den Wäldern drei Meter fünzig lange Wildsäue geben soll.

Beenden wir  den Ausflug ins Nokturne und kommen zur Sache: ich bin ein wandelnder Zellhaufen, vollgestopft mir nutzloser Information. Bestellnummern alter Lieblingsplatten fallen mit eher ein, als die binomische Grundformel. Der Name des Metzgers, der Weißrussland anführt? HTML-Code schreiben? CSS gar? Pfeifendeckel! Aber ich weiß, wo Hermann Hesse und Elizabeth Barrett Browning begraben liegen, dass Gwen Stacy Peter Parkers große Liebe war (SNAP! war das schlimmste Geräusch, das je in einem Marvel Comic zu lesen war) und dass die beste Version von Cheap Tricks "Auf Wiedersehen" auf der B-Seite einer Anthrax-12" zu Zeiten von John Bush zu hören ist. Dass meine alte Platte mit Alfred Brendel immer noch DIE Referenz in Sachen Beethoven und Piano ist, "Seven Days of Falling" von E.S.T. ein Leben ändern kann und dass Hans Unstern vermutlich der beste Liedermann seit ganz langer Zeit ist.

Also wenn's schifft, dann schifft's aber...
Um den Bogen zum obenstehenden Zweizeiler zu schlagen: Information ist neue Religion. Wer sich abnabelt -ein Luxus- wird zum Analphabeten des Jetzt. Das muss man sich leisten können.

Wer genau hinsieht, entdeckt das Photon
Und grad jetzt entdecken die das Higgs-Boson... ein Haufen Dunkler Energie harrt der Klärung.


05.07.12

Who let the dogs out?

DUSOLLSETZHERKOMM! HIAHEA! KOMMHEA! FIEP! FIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIEP!
Hundeflöterin (unbekannt), 5. Juli 2012


Seit Wochen trainiert draußen auf den Wiesen eine Frau ihren Hund. Besser: sie versucht ihn zu trainieren. Zur Erziehung scheint ihr das tauglichste Instrument eine Pfeife. Ich dachte bis dato, Hundepfeifen seien fürs menschliche Ohr nicht wahrnehmbar.

Kürzlich hatte sich das arme Vieh auf unsere Seite des Bächleins verirrt bei seinem Ausbruch aus der Schulungsstunde. Und fand ums Verrecken nicht zurück zur fordernden Pfeife, keine zwanzig Meter entfernt. Das dichte Gebüsch fürs Hundeauge eine undurchdringliche Wand. Der schrille Pfiff der Trainerin: für des Verfassers Tinnitus Futter.

Heute war wohl Abendtraining und Canis Lupus Familiaris hat sich mit vermutlich fliegenden Lefzen auf den Weg gemacht, all die Füchse, Karnickel und vielleicht auch Wildsäue zu jagen. Dem hektischen Pfeifen gesellte sich alsbald ein, ich möchte es als kultivierter Mensch "Rufen" nennen, hinzu. Nun tendieren weibliche Stimmen bei Lauten großer Lautstärke zu überschnappender Tonhöhe. Diese Tatsache war der Trainerin offensichtlich bewusst, es klang dann eher rau und tief wie die eine Hälfte einer Beziehungskrise vor dem Goldenen Handschuh gegen 2 Uhr 49.

Bin gespannt, wie das Training Fortschritte macht. Ob.

Vermutlich sollte ich mir auch Gedanken über meine hündischen Anteile machen, respektive mit meiner Suprawahrnehmung prahlen: "… ach, Babe, vielleicht mag ich deshalb das Altsax im Jazz so gar nich. Ich höre Hundepfeifen!"

Kann man einen Film drehen, in dem ein kleiner Junge zum Arzt sagt: "I can hear dog whistles?"

01.07.12

Tempus fugit...

...para bellum
Mashup, yo!


Während noch der Sommer mit heißem Juniende die Menschen zum Schwitzen bringt -und Fußballfans zum Heulen (wobei mir auffiel, dass sich seit mehreren Jahren schon niemand mehr lustig macht über dialektbedingte Akzente; Herr Löw böte Angriffsfläche) und Diskutieren- ist das halbe Jahr schon vorbei. 2012, huh, Mayakalender, Katharsis, et cetera, ad nauseam.

Vermutlich miesestes Foto der Welt: Vollpfosten vor Joggerin (schön)
Während sich über der schönen Joggerin (wird sie demnächst heiraten und ein glückliches Leben hier auf dem Land verbringen, oder geht sie studieren -nach Berlin gar- und verwahrlost im Moloch als verlassene Mutter drogensüchtiger Kinder?) Wölkchen zu Wolken ballen und bald zu Fronten werden, ist irgendwas in Sachen Krise beschlossen worden.


Während also alle noch im Wärmetaumel dahindampfen, ahnt der Körper und weiß der Teil des Geistes den ich als Betriebssystem betrachte, dass es hier sehr bald wieder so aussehen wird: kalt und öd und feucht und klamm und wo bleibt nur die Sonne? Alles ächzt und alles knarrt, hinkt und manches knackt und platzt und stirbt.


Am Abend dann im Biergarten sahararotes Sonnenlicht bis weit nach halbzehn. Und schließlich, danke!, ein ordentliches Gewitter. Die plappernden Touristen -ohne Augen für die Schönheit der Darbietung- drehten dem Geschehen den Rücken zu. EM ist rum, "Läbbe gehd weider."

Krise auch.

26.06.12

Wo wir sind ist von

Weil isch, äh...
Pierre Vogel, 2012

Eben (wieder) über Abu Hamza gestolpert und kurz ein paar Bilder seiner Erweckungserlebnisse aus YouTube gedingst. Der Clip, aus dem oben zu sehendes Bild stammt, ist eine Art "Rock am Ring" in klein. Da steht ein vermeintlich wichtiger Mann auf der Bühne und zelebriert seine Show. Andere wichtige Typen stehen um ihn rum und sind, äh, wichtig. Der in höchst mobiler Pose ertappte Glatzkopf auf dem Bierlaster ist übrigens nicht Kerry King von Slayer, obwohl er ähnlich sympathisch wirkt.
 

Das vermutlich überwiegend muslimische Publikum hält seine vom feisten jüdisch-christlich-sack-und-asche-wo-führt-das-hinduistisch dominierten Kapitalismus produzierten Smartphones hoch und filmt/knippst. Dass dann hier doch nicht der Djihad (Gesundheit!) den Sieg davon trägt liegt an einem der letzten Bilder des Clips.

Wer so schlecht buchstabiert, der hat noch einen weiten Weg zur Weltherrschaft.

Das erinnerte mich an einen Eiskratzer für PKW-Scheiben, den der CSU-Ortsverband Hassberge einst verschenkte. In einwandfreiem Fränkisch stand da: "Wo wir sind ist von!" Die Dinger gabs dann mit abgeklebtem fehlendem "r" auf einer Dorftombola als Trostpreis en masse.

Und jetzt alle: "No future, no future....!"

25.06.12

Der Veitstag ist nah

Hä?
Platz 1 der Charts "Berühmt letzte Worte"

Dieser Mann ist nicht der Attentäter, sagt der Link (klick)
Vor 98 Jahren brauchte es einen Erzherzog samt Gattin in Sarajevo, heute reicht vielleicht eine McDonnell Douglas F-4. Was da gezündelt wird um Syrien rum... niemals sollte eine Europäische Gemeinschaft eine Grenze da draußen haben wollen.

Jetzt wird wegen der abgeschossenen Phantom mit den Säbeln gerasselt. Moralisch verwahrloste Kackbratzen trommeln sich auf die Brust, man spürt die Geilheit auf einen deftigen Waffengang. Der Ton wird ernster, Sanktionen sollen verschärft werden. Vorher sah das höchst gesittete alte Europa samt Big Brother dem Schlächter Assad aus der Ferne zu, zu groß die aufgepumpten Sorgen um die Griechen und die Spanier und die Italiener und den einst schönen, just faulenden Euro; Gezänk und Streit, wer wem was zu sagen und wo besser das Maul zu halten habe, und hey (fürs Fußvolk): Fußball läuft ja auch noch.

Vielleicht addieren sich hier auch die Krisen und die Nöte und die Sorgen und die Ängste und Syrien liegt von manch klimatisiertem Büro aus betrachtet weit hinter Anatolien, was soll man da als Entscheider anders sagen als: "Ein Krieg muss her! Den Ziegenfickern mal richtig eins eingeschenkt. So als Zeichen für alles. Immer druff! Der Russ und sein popliger Mittelmeerhafen in Tartus? Drauf gepfiffen! Der Chines und sein Zögern und Zaudern? Kommt grad recht: Barthel und Most, aber hallo!"

So muss sich das früher in Moskau und Washington mit DDR-BRD angefühlt haben: weit weg vom heimischen Napf sind Megatote abstrakt darstellbar, ein Schlachtfeld ist schließlich keins, wenn man Feuer und Blut nicht riecht.

Mit viel Glück zieht das als dunkle Wolke vorbei, aber die Chance endlich die Lunte anzustecken war aus der bescheidenen Sicht des Verfassers dieser Zeilen selten so groß.

Der Wille ist jedenfalls da.

Gavrilo Princip, der den Erzherzog Franz Ferdinand und Gemahlin Sophie 1914 erschossen haben soll, starb 1918 in Kerkerhaft. Zum Ende des durch das Attentat ausgelösten Krieges. Scheißironie der Geschichte...

24.06.12

23

Verfasser dieser Zeilen/Searchin', ca. 1989

Band benannt nach einem Song, der von Peter Bogdanovich inspiriert war, bloß mit '
Also, Schatz, das ist so: die GEMA bezahlt eigentlich den Menschen, die Lieder schreiben Geld. Wer den Text gemacht hat und wer die Musik gemacht hat… jeder kriegt dafür Geld. Wenn die Musik im Radio läuft oder gespielt wird im Konzert, oder wenn Leute deren Platten kaufen. Was Platten sind? Verzeihung: CDs. Ja, Schatz, iTunes genauso.

Dafür zieht die GEMA natürlich Geld ein. Von den Menschen, die CDs vertreiben, von den Menschen, die Konzerte veranstalten und von den Leuten, die das im Radio laufen lassen. Natürlich holen sich die Menschen, die Konzerte machen, das was die GEMA von ihnen nimmt von den Menschen wieder, die die Eintrittskarten kaufen. Bei den CDs läuft es so ähnlich. Und im Radio gibt's ja dermaßen viel Werbung, damit zahlen die das.

Ja, Schatz, der Papa hat auch mal Geld gekriegt für seine Musik. Wir waren ja eine winzig kleine Band, am Ende der Welt. Aber wir haben viele Konzerte gespielt und unsere Single lief im Radio. Was eine Single ist? Ähm, das war eine Art runde Plastikscheibe, auf der zwei Lieder waren. 'Single' bedeutet sowas wie 'einzeln' und meistens lief im Radio nur eins der Lieder, das hieß A-Seite. Nicht das Lied, Schatz, die Seite der Plastikscheibe hieß A-Seite. Und das konnte man dann im Radio hören und die Frau oder der Mann, die das aufgelegt hatten, notierten in einer Liste, wer den Text und wer die Musik geschrieben hatte und schickten das an die GEMA. Die GEMA kuckte dann, ob das Lied bei ihnen gemeldet war, und wenn es gemeldet war, dann bekamen die Leute, die den Text und die Musik geschrieben hatten, für dieses einmal im Radio laufen einmal Geld. Genau, für zehnmal zehnmal Geld und für hundert hundertmal.

Dann hat der Papa diese andere Band hinterher gehabt, die war ein bisschen größer. Da gab es weniger Konzerte, aber die Musik lief auch im Radio in der Schweiz. Und weißt du was? Genau… weil der Papa die Lieder geschrieben hatte, gab es auch dafür Geld von der GEMA. Nicht viel, aber auch nicht nix. Genug, um den Mitgliedsbeitrag bei der GEMA für ein paar Jahre zu zahlen. Denn das ist ja ein Verein und fast jeder Verein hat eine Gebühr, die man zahlen muss als Mitglied.

Ja, Schatz, der Papa ist dann ausgestiegen aus der Band. Aber die haben weiter Konzerte gespielt. Bloß von der GEMA kam irgendwann kein Geld mehr. Die hatte nämlich in ihrem System etwas umgestellt. Tja, wie erkläre ich das? Die haben sich gesagt: "Was viel gespielt wird, wird viel gespielt!" und wollten gar keine Listen mehr von kleinen Radiosendern mit Namen von kleinen Musikern vom Ende der Welt. Jetzt kriegen eher die Großen mehr und die Kleinen gar nix.

Ungerecht? Find ich auch. Und weißt du, was der Witz ist, Schatz? Der Chef der GEMA verdient fast doppelt so viel wie Frau Merkel. Ja genau, obwohl die Generaldirektorpräsidentchefin von Deutschland ist.

Ob der auch doppelt so viel arbeitet? Das weiß ich nicht, Schatz, das weiß ich nicht…

21.06.12

Foodblog

Was er nicht fressen kann macht er kaputt
Zitat eines Freiburger Berufsschullehrers (nicht mich betreffend, aber schön)

In dem Versuch, endlich als deutscher Großblogger wahrgenommen zu werden, stürme ich -mit wie immer perfekten Fotografien- die letzte Bastion: warmes Futter und dessen Herstellung.

Das Thema: eine Art Eintopf. Ohne mystischen Überbau mit der Geschichte vom Rezept einer aus dem belagerten Stalingrad entkommenen Großmutter, respektive dem einer das eingekesselte Stalingrad belagernden Oma.

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Schritt 1: Okay sauberes Messer in der Spüle suchen. Stück totes Schwein in kleine Stücke schneiden.

2
Schritt 2: Weißes und grünes Zeug (da können im Fachgeschäft Experten hilfreich zur Seite stehen beim Einkauf) in kleine Stücke schneiden.

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Schritt 3: Wegen der farblichen Ausgewogenheit oranges Zeug dazu schneiden.

4
Schritt 4: Zeug-das-Tränen-macht klein schneiden und Herd auf Warp IV.

Superlöffel
Schritt 5: Das kleingeschnittene Schweineaas so lange heiß werden lassen, bis das Fett in flüssiger Form austritt. Ein hölzerner Kochlöffel wirkt dabei könnerhaft.

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Schritt 6: Dann das Tränenzeug dazu, bis sich durch Geruch Speichelfluss einstellt.

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Schritt 7: Jetzt den anderen Kram dazu. Mit einem Holzlöffel umrühren sieht immer noch professionell aus (hier leider nicht im Bild).

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Schritt 8: Geheimtipp 1: Eine okay saubere Gabel in der Spüle finden und Senf an den Kram schmettern. Umrühren. Immer wieder. Mit dem Holzlöffel.

Wir haben das schonmal für Sie vorbereitet, liebe Zuschauer: beim Metzger des Vertrauens Würste kaufen, gerne etwas mit "polnisch" im Namen, scharf schadet auch nicht. Nie.

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Schritt 9: Die werden mit in Schritt 1 beschriebenem Messer in kleine Teile zerschnitten und in die heiße Pfanne geworfen.

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Schritt 10: Während all das brutzelt und blubbert, hat unsere unterbezahlte, attraktive Küchenhilfe aus Bulgarien die Biokartoffeln geschält und geschnitten.

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Schritt 11: Die verschwitzten, chauvinistischen Kapitalistenpfoten von der Küchenhilfe nehmen und einen Blick in die Pfanne werfen: Aha, gut!

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Schritt 12: Die in Fronarbeit entstandenen Kartoffelwürfel in die Wurstpfanne kippen.

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Schritt 13: Jetzt Geheimtipp zwo! Mit Bier ablöschen...

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Schritt 14: Den abgelöschten Brutzelscheiß in den blubbernden Gemüsescheiß kippen.

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Schritt 15: Geheimtipp 3: bissi Milch dazu! Milch ist quasi Sahne, irgendwie. "Bissi" in cl ist schwierig, zu viel ist zu viel, zu wenig lohnt nicht. Aufkochen, rühren, rühren, Herd ausschalten.

Schritt 16: Pizza bestellen.