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01.07.12

Tempus fugit...

...para bellum
Mashup, yo!


Während noch der Sommer mit heißem Juniende die Menschen zum Schwitzen bringt -und Fußballfans zum Heulen (wobei mir auffiel, dass sich seit mehreren Jahren schon niemand mehr lustig macht über dialektbedingte Akzente; Herr Löw böte Angriffsfläche) und Diskutieren- ist das halbe Jahr schon vorbei. 2012, huh, Mayakalender, Katharsis, et cetera, ad nauseam.

Vermutlich miesestes Foto der Welt: Vollpfosten vor Joggerin (schön)
Während sich über der schönen Joggerin (wird sie demnächst heiraten und ein glückliches Leben hier auf dem Land verbringen, oder geht sie studieren -nach Berlin gar- und verwahrlost im Moloch als verlassene Mutter drogensüchtiger Kinder?) Wölkchen zu Wolken ballen und bald zu Fronten werden, ist irgendwas in Sachen Krise beschlossen worden.


Während also alle noch im Wärmetaumel dahindampfen, ahnt der Körper und weiß der Teil des Geistes den ich als Betriebssystem betrachte, dass es hier sehr bald wieder so aussehen wird: kalt und öd und feucht und klamm und wo bleibt nur die Sonne? Alles ächzt und alles knarrt, hinkt und manches knackt und platzt und stirbt.


Am Abend dann im Biergarten sahararotes Sonnenlicht bis weit nach halbzehn. Und schließlich, danke!, ein ordentliches Gewitter. Die plappernden Touristen -ohne Augen für die Schönheit der Darbietung- drehten dem Geschehen den Rücken zu. EM ist rum, "Läbbe gehd weider."

Krise auch.

16.04.12

Klau, lies und kotz


Zum Einstieg Max Goldt: "Diese Zeitung ist ein Organ der Nieder-tracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muß so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun."
Der Krapfen auf dem Sims, Alexander Fest Verlag, Berlin 2001

Ältere werden sich eventuell noch an die Gebrüder Engel erinnern. Auf der LP Skandal gab es oben erwähnte Nummer (Link im Titel), die sich mit Deutschlands Lieblingshassblatt beschäftigt. Ich fand die Nummer damals blöderweise nicht ganz so gut, geprägt von angloamerikanischen Klängen war mir kleinem Blödmann die Muttersprache im Rockbereich immer ein wenig peinlich. Aber der Titel dieses Songs blieb stets präsent; an jeder Tankstelle kam er mir beim Bezahlen in den Sinn, wenn der Blick auf das schwarz-weiß-rote Rechteck fiel, das da in großen Lettern den Aufreger des Tages verkündet. Und Jahre später waren die Texte meiner Band auch deutsch, aber das ist eine gaaaaaaanz andere Geschichte. Wobei dabei im Hinterkopf vielleicht all das Zeug von Gebrüder Engel, Dr. Koch Ventilator, Nina Hagen Band (hach, die erste Platte: ein MUSS!) über Fee bis Breslau ihre Spuren hinterlassen hatten, wie gute Rockenrolloperetten das nun mal an sich haben. Und die Fehlfarben. Hansaplast. Die Zimmermänner. Zu spät dafür geboren, aber entdeckt: die Scherben. Ideal! Berlinberlinberlinberlin. Aber ich schweife ab, eine meiner stärksten Eigenschaften, wie ich nicht müde werde, zu betonen.

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09.12.09

Neunte Tür

"It's the small things...!" Und jetzt fällt mir ums Verrecken nicht ein, welche Band das war, die ich jetzt im Kopf höre. Nein, nicht BLINK DINGENS, andere Nummer, Soundtrack. Vergessen. Egal.

Jedenfalls sind es die kleinen, nein kleinsten Dinge, die einem das Leben schwer machen. Vor zehn Jahren in Berlin zum Beispiel. Aus dem Wagen steigend registriert die systeminterne Software ein Fapp!, was geschrieben schon zu laut ausschaut. Es war eher ein Fd!, ähnlich dem Geräusch eines aus zehn Zentimetern Höhe gefallenen Blattes, nass vom Tau. Nichts weiter dabei gedacht, Bier getrunken, Spaß gehabt, am nächsten Morgen, oder wie man das nach dem Aufwachen nennen will, den Verlust der frisch gefüllten Geldbörse festgestellt. Neben dem stundenlangen Riesentheater der diversen Kartensperrungen (telefonisch versteht sich, weil WWW noch nicht dermaßen am Start) und dem Gram über das Verlorene, ärgerte mich vor allem die Tatsache, dass das gute Stück am wiederum nächsten Morgen untern dem Scheibenwischer des Wagens pappte. Ohne Geld, natürlich. Ein ehrlicher Dieb.

Hätte ich die Karten nämlich nicht sperren lassen, hätte ich 48 Stunden später an der Tankstelle in Bayern auch bezahlen können für meinen Freund, der besagten Wagen heimwärts steuerte und mal eben 80 Liter Super gezapft hatte. Um dann festzustellen, dass er seine Geldbörse in Berlin vergessen hatte. Was dann geschah wäre Thema seines Blogs, aber Stichwort gilt: kleine Dinge.

Vermutlich überhöre ich andauernd Warngeräusche. Jedenfalls vermisse ich eine Sonnenbrille (Ray Ban Wayfarer, schwarz), einen Autoschlüssel (Alfa Romeo, rot), diverse LPs, CDs, Bücher und Comics (Jeff Wayne: War Of The Worlds, Metallica: die schwarze, die eh jeder hat, Stakka Bo: Here We Go Again, Entombed: Rising, riesigen Rest der Tonträger vergessen und Bücher und Comics sind im Vergleich too few to mention, wie wir Lateiner sagen), zwei Socken (braun und schwarz!!!) und eine Unterhose (Olaf Benz, weiß). Natürlich vermisse ich auch ein monatliches Einkommen von 84.321 €, aber das ist ja schon Old-School-Mainstream.

Zum Post bewegt hat mich diese kleine Geräusch heute Abend. Ich bewegte ein Dings über ein Bumms auf meinem wohlaufgeräumten Schreibtisch und hörte ein leises Rascheln. So klingt es, wenn ich ein unwürdiges Schreiben im Papierkorb versinken lasse. Bloß, dass da nichts lag. Der Papierkorb stand exakt unter der Stelle, an der ich besagte Objekte bewegte. Bei der Kontrolle fanden sich als Inhalt: ein benutztes Papiertaschentuch -schändlich in Zeiten der Schweinegrippe- , drei alte Notizzettel und eine Verpackung italienischer Kekse. Aus Papier, versteht sich.

Jede Wette, dass demnächst mein Konto gesperrt wird, weil ich meine exklusive Geheimzahl nicht nennen kann. Die auf einem Zettel stand, der unbekannt raschelnd -unsichtbar- in meinem Papierkorb verschwand.